Wir forschen für den Infektionsschutz

Mitarbeiterschutz

Die Sicherheit der Rettungskräfte hat vor, während und auch nach dem Einsatz eine hohe Bedeutung. Neben der persönlichen Schutzausrüstung (PSA), die beim Transport von infektiösen Patienten oder Patienten mit unbekanntem Infektionsstatus vor der Übertragung pathogener Erreger schützt, erhöhen auch andere Maßnahmen die Mitarbeitersicherheit. Lesen Sie hier mehr dazu.

Nadelstichverletzungen im Rettungsdienst: Ein unterschätztes Risiko

Nadelstichverletzungen gehören zu den häufigsten Verletzungsarten im Gesundheitswesen: In Deutschland werden jährlich rund 500.000 Verletzungen dieser Art gemeldet. Gleichzeitig zeigt die Meldungsquote von nur rund 10 %, dass die Dunkelziffer recht hoch ausfällt [1].
Egal, ob die Verletzung durch eine Nadel, Lanzette oder einen anderen scharfen Gegenstand verursacht wurde: Jede Stich-, Schnitt- und Kratzverletzung der Haut durch scharfe oder spitze Materialien, die mit potenziell infektiösem Material des Patienten verunreinigt sind, bergen ein Infektionsrisiko für den Mitarbeiter – unabhängig davon, ob die Wunde blutet oder nicht.

Denn: Im Rettungsdienst, wo die Versorgung von Patienten mit unbekanntem Infektionsstatus zur täglichen Praxis gehört, muss eine Postexpositionsprophylaxe (Maßnahmen nach dem möglichen Kontakt mit pathogenen Erregern) erfolgen. Ein wesentlicher Baustein der Postexpositionsprophylaxe bildet die gezielte Desinfektion der Eintrittswunde.

Eine Studie zum Management von Nadelstichverletzungen im klinischen Bereich zeigte, wie wichtig die zügige Konsultation des Durchgangsarztes nach der Verletzung ist [2]: Die Untersuchung der Indexpatienten (der Patient, mit dessen Material der Mitarbeiter kontaminiert wurde) ergab, dass jeder Fünfte mindestens eine durch Blut übertragbare Infektionskrankheit wie z. B. HIV, HCV oder HBV aufwies. Zum Vergleich: Die Seroprävalenz (Häufigkeit des Vorkommens von Antikörpern im Blut, die auf eine durchgemachte oder bestehende Infektion hindeuten) von HIV, HCV und HBV in der deutschen „Normalbevölkerung“ liegt bei 0,05 – 0,07 % [2].


Achtung – Verletzungsgefahr

Beim Umgang mit spitzen Gegenständen ist Vorsicht geboten: Bei der Blutentnahme, Punktion oder Legen von Gefäßzugängen droht eine Verletzungsgefahr. Aber auch nach der invasiven Maßnahme ist noch die besondere Aufmerksamkeit des Mitarbeiters gefordert: So können Verletzungen auch beim Recapping (Zurückstecken der Schutzkappe auf die Kanüle), unsachgemäßer Entsorgung sowie ungeeigneten oder überfüllten Abfallbehältern entstehen [3].


Infektionsrisiken minimieren

Durch Einbringen von potenziell infektiösen Materialien in das eigene System können praktisch alle bekannten Infektionserreger übertragen werden. Vorab und im Rahmen der arbeitsmedizinischen Vorsorge ist es für Mitarbeiter daher sinnvoll, sich so umfassend wie möglich gegen Infektionskrankheiten impfen zu lassen.


Lesen Sie mehr zu den Impfempfehlungen für Mitarbeiter im Rettungsdienst in der Kategorie „Mitarbeiterschutz“ – hier finden Sie außerdem eine praktische Übersicht mit Checkliste zum Download.

Ist es trotz aller Sicherheitsvorkehrungen zu einer Nadelstichverletzung gekommen, sind ein kühler Kopf und rasches Handeln gefragt:

  • Spülen Sie zunächst die Wunde gründlich aus und fördern Sie bei einer offenen Wunde den Blutfluss, desinfizieren Sie die Eintrittsstelle danach gründlich.
  • Klären Sie, wenn möglich, anhand von Akte und Anamnese den Infektionsstatus des Indexpatienten ab. Gegebenenfalls muss eine Blutentnahme veranlasst werden.
    Achtung: Für eine Hepatitis- oder HIV-Serologie muss das Einverständnis des Patienten vorliegen.
  • Ziehen Sie so schnell wie möglich den zuständigen Arzt heran.
    Beurteilen Sie mit Ihrem Arzt Ihre Immunitätslage – halten Sie dazu Ihre Impfdokumente bereit.
  • Je nach Risiko und Situation wird Ihr Arzt die adäquaten Maßnahmen festlegen: Beispielsweise eine HIV-Postexpositionsprophylaxe oder HBV-Immunisierung.

    Die Nachsorge erfolgt in angemessenem Abstand mit dem betriebsärztlichen Dienst.


Zum Ausdrucken und Aufhängen: Laden Sie sich den Leitfaden zum richtigen Verhalten nach Nadelstichverletzungen jetzt kostenlos herunter.

Praxistipp: Dokumentieren Sie Nadelstichverletzungen systematisch – so verschaffen Sie sich einen Überblick über potenzielle Risikosituationen. Lassen Sie Ihre Analyse in die nächste Gefährdungsbeurteilung einfließen, um den Mitarbeiterschutz weiter zu optimieren.


Quellen:
1) Behmann, J. Nadelstichverletzungen: Vorgehen und Schutzmaßnahmen, Rettungsdienst.de. (Zuletzt geprüft am 16.03.2018)
2) Himmelreich, H. et al. The management of needlestick injuries. Dtsch Arztebl Int 2013; 110(5): 61–7.
3) Brinker, L. et al. DGUV Information 207-024:  Risiko Nadelstich Infektionen wirksam vorbeugen. Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege, Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGVU), 2015.

Tägliche Infektionsrisiken im Rettungsdienst

Unvorhersehbare Notfälle, unerwartete Einsatzbedingungen, unbekannter Infektionsstatus des Patienten – der Rettungsdienst gilt nicht umsonst als eine der gefährlichsten Berufsarten. Mit der Bedeutung übertragbarer Krankheiten für das tägliche Risiko von Mitarbeitern des Rettungsdienstes, befasste sich jetzt ein Studienreview aus dem letzten Jahr von Thomas und Kollegen.

Die gute Nachricht vorweg – die aktuelle Studienlage zeigt, dass die Expositionsraten von Rettungsdienstmitarbeitern mit ansteckenden Krankheiten rückläufig sind: Zwischen 1993 und 2011 sanken die Raten um mehr als 70 %. Kam es zum Kontakt mit infektiösen Patienten, handelte es sich zumeist um Fälle von Meningokokken-Meningitis (33 %), Tuberkulose (17,1 %) und virale Atemwegsinfektionen (15,4 %). Eine Umfrage ergab außerdem, dass Rettungsdienstmitarbeiter es besonders häufig mit Influenza-Patienten zu tun haben: 96,2 % der Mitarbeiter berichteten, Patienten mit Influenza transportiert oder behandelt zu haben. Eine Zahl, die sich ebenfalls in hohen Ansteckungsraten niederschlägt: So meldeten 59,4 % der Rettungsdienstmitarbeiter eine Influenza-Infektion – ein Großteil der Mitarbeiter (89,6 %) erschien sogar krank zur Arbeit.

Die Prävalenz von Ansteckungen mit anderen Infektionskrankheiten, wie HIV, HBV und HCV ist sehr niedrig: Einige Studien verzeichnen sogar überhaupt keine Übertragungen dieser Krankheiten. Anders sieht es jedoch bei MRSA aus: 6,4 % aller Rettungsdienstmitarbeiter wiesen MRSA-positive Abstriche der Nasenschleimhäute auf – eine signifikant höhere Inzidenz im Vergleich zur Normalbevölkerung (1,5 %).

Die insgesamt rückläufigen Expositionsraten im Rettungsdienst begründen die Autoren mit einer besseren Ausstattung der Mitarbeiter mit Schutzausrüstung, besseren Fortbildungen sowie optimierten Infektionsschutzmaßnahmen.


Quelle:
Thomas, B. et al. Everyday Dangers – The Impact of Infectious Diseases has on the Health of Paramedics: A Scoping Review. Prehosp Disaster Med. 2017, 32(2):217-223.

Personalschutz: Impfempfehlungen für Mitarbeiter im Rettungsdienst

Wenn der Rettungswagen ausrückt, wissen die Mitarbeiter oft nicht genau, was sie am Einsatzort erwartet: Ist der Patient mit ansteckenden Krankheiten infiziert? Kommt es zum Kontakt mit erregerhaltigen Materialien? Mitarbeiter des Rettungsdienstes gehören zu beruflich besonders exponierten Personen – die sich besonders vor übertragbaren Krankheiten schützen sollten.

Zu den wichtigsten Maßnahmen des persönlichen Infektionsschutzes zählen auch Schutzimpfungen. Impfungen sind in der Regel gut verträglich und zählen zu den effektivsten und kostengünstigsten medizinischen Präventionsmaßnahmen. Jeder Mitarbeiter muss daher seinen Impfstatus kennen und wissen, ob der Impfschutz anhält.

Folgende Impfungen empfiehlt die STIKO (Ständige Impfkommission am Robert Koch-Institut) besonders für Mitarbeiter im Rettungsdienst:

  • Hepatitis A (HA)
  • Hepatitis B (HBV)
  • Masern, Mumps, Röteln
  • Pertussis (Keuchhusten) – sofern in den letzten 10 Jahren keine Pertussis-Impfung stattgefunden hat.
  • Varizellen (Windpocken) – nur nicht-immune oder ungeimpfte Mitarbeiter.

Jetzt herunterladen: Der persönliche Impfcheck für Mitarbeiter im Rettungsdienst.


Quellen
Empfehlungen der Ständigen Impfkommission (STIKO) am Robert Koch-Institut 2016/2017, Epidemiologisches Bulletin 34, 2016.
Impfschutz für Berufstätige, Deutsches Grünes Kreuz, 2017. http://dgk.de/ Zuletzt abgerufen am 10.08.2017.

Interview: Gefährdungsbeurteilung im Rettungsdienst

Gefährdungsbeurteilung im Rettungsdienst: Empfehlungen sind Silber, Fachkunde ist Gold

Markus Wiedenmann ist fachlicher Leiter der Hygieneakademie Augsburg. Im Interview beleuchtet der Fachbuchautor und Experte für Arbeitssicherheit und Hygienemanagement unter anderem, wo Gefährdungspotenziale im Rettungsdienst liegen, und wie umfassende Hygienekonzepte bei der Risikominimierung helfen können.


Das Gefährdungspotenzial für Rettungsdienstmitarbeiter hängt von der Art der Tätigkeit ab. Wo liegen die Risiken?

Der Rettungsdienst birgt verschiedenste Gefährdungsfaktoren, die im großen Ganzen betrachtet werden müssen. Es gibt zum einen biologische Faktoren, also Bakterien, Viren und Sporenbildner. Hier schützt die PSA (persönliche Schutzausrüstung). Doch auch die PSA selbst kann zum Gefährdungsfaktor werden, wenn nicht die richtigen Produkte genutzt werden. Die Mitarbeiter kommen außerdem auch mit Gefahrstoffen, wie sie beispielsweise bei der Desinfektion nötig sind, in Kontakt. Auch hier schützt die PSA, jedoch nur wenn sie richtig angewandt wird. Beim Einsatz lauern zudem auch oft mechanische und physische Belastungen – sei es beim Kontakt mit Splittern, z. B. bei Unfällen, oder beim Transport des Patienten mit dem Tragestuhl. Ein weiterer Faktor, der nicht zu vernachlässigen ist, ist die psychische Belastung. Neben den persönlichen Schicksalen, die man mitunter verarbeiten muss, kann auch der Schichtdienst auf Dauer eine negative Belastung darstellen.


Wie wird die Gefährdungsbeurteilung in der Praxis konkret umgesetzt?

Zunächst muss die Gefährdungsbeurteilung durch fachkundige Personen erstellt werden. Das heißt der Arbeitgeber, der für die Gefährdungsbeurteilung verantwortlich ist, muss sich ein interdisziplinäres Team aus Experten zusammenstellen, die über die nötigen Kenntnisse verfügen. Die Beurteilung erfolgt dann nach dem sogenannten STOP-Prinzip: Kann die Gefahr im Rahmen einer Substitution vermieden werden? Welche technischen, organisatorischen und persönlichen Maßnahmen sind in der Gefahrensituation nötig? Ist dies ausgearbeitet, müssen die Mitarbeiter natürlich entsprechend geschult werden, damit klar ist, welche Gefahren bestehen und welche Maßnahmen davor schützen. Im Anschluss muss der Arbeitgeber dann auch kontrollieren, ob die festgelegten Maßnahmen korrekt durchgeführt werden, und ob diese die gewünschte Wirkung zeigen.


Die persönliche Schutzausrüstung spielt im Arbeitsschutz im Rettungsdienst eine große Rolle. Wo sehen Sie die Schwachstellen bei der Umsetzung?

Ein großes Problem ist, dass die Schutzausrüstung durch nicht-fachkundiges Personal ausgewählt wird. Häufig verlassen sich die Arbeitgeber auf Merkblätter, die von Fachgremien erstellt wurden. Diese Merkblätter sind aber keine auf die Tätigkeit angepasste Gefährdungsbeurteilung – wie sie eigentlich durch den Gesetzgeber vorgeschrieben ist. Mitunter widersprechen sich diese Empfehlungen sogar, da beispielsweise Infektiologen andere Schwerpunkte legen als Experten des Arbeitsschutzes. Außerdem sind die Empfehlungen oftmals nicht spezifisch genug. So schreiben viele Merkblätter „medizinische Einmalhandschuhe“ für verschiedene Tätigkeiten vor, nicht aber welche Normen diese erfüllen müssen. So reicht für eine Untersuchung beispielsweise ein nach EN 455 zertifizierter Handschuh, beim Umgang mit Desinfektionsmitteln muss jedoch auch die EN 374 erfüllt werden. Damit die richtige Schutzausrüstung verwendet wird, ist eine individuelle Beurteilung des Gefahrenpotenzials nötig – und dazu braucht der Arbeitgeber die Hilfe eines Fachmannes.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist auch die Schulung der Mitarbeiter im Umgang mit der PSA. Die PSA schützt den Mitarbeiter nämlich nur dann umfassend, wenn sie korrekt angelegt, verwendet und auch wieder abgelegt wird. Der Knackpunkt ist und bleibt das Ausziehen der kontaminierten PSA. Das Verständnis wächst hier immer mehr, doch es muss noch viel mehr geschult werden.


Hygienekonzepte sollen die Sicherheit von Personal und Patient sicherstellen. Was gehört für Sie zu einem optimalen Hygienekonzept dazu?

Wie bereits eingangs erwähnt muss das Hygienekonzept zunächst einmal durch fachkundiges Personal erstellt werden. Hier ist Fachwissen aus der Medizin, der Hygiene und des Arbeitsschutzes nötig – erst dann ist ein Konzept sinnvoll und umfassend. Außerdem muss ein Hygienekonzept natürlich individuell angepasst sein. Die Händehygiene mag in Hamburg und München dieselbe sein, und auch der Patiententransport unterscheidet sich kaum. Die Rettungswachen selbst können jedoch große Unterschiede aufweisen. Zum Beispiel bereiten manche Rettungsdienste ihre Medizinprodukte auf, während andere auf Einmalprodukte zurückgreifen. Diese Faktoren müssen in das Hygienekonzept mit einbezogen werden. Um in sich schlüssig zu sein, müssen die in einem Hygienekonzept empfohlenen Produkte auch aufeinander abgestimmt sein. Zum einen müssen die Produkte untereinander kompatibel sein, damit es nicht zu unerwünschten Klebeeffekten kommt. Zum anderen müssen die Mittel natürlich wirksam, materialverträglich und hautschonend sein.
Weiterhin gehören auch die Schulung der Mitarbeiter und die anschließende Qualitätssicherung zu einem schlüssigen Hygienekonzept dazu. So können Fehler und Mängel schnell erkannt und behoben – und das Hygienekonzept kann gegebenenfalls angepasst werden.


Vielen Dank, Herr Wiedenmann!


Qualitätsanforderungen an Schutz- und Untersuchungshandschuhe

Einmalhandschuhe gehören im Rettungsdienst zur Grundausstattung. Im Rettungswesen sind besonders strapazierfähige Handschuhe notwendig, denn die Anforderungen an Reißfestigkeit und Beständigkeit sind hoch. Schließlich sollen die Handschuhe Rettungssanitäter und -assistenten auch dann zuverlässig vor Keimen und Chemikalien schützen, wenn es hektisch wird.

Sind Handschuhe sowohl als Medizinprodukt (Patientenschutz) als auch als PSA (persönliche Schutzausrüstung; Anwenderschutz) qualifiziert, können sie im Rettungs- und Krankentransport vielseitig eingesetzt werden. Die Qualitätsanforderungen und das Testverfahren werden durch zwei europäische Normen geregelt: die EN 455 (Medizinprodukt) und die EN 374 (PSA).

Niedriger AQL: gut geschützt gegen Erreger

Im Rahmen der Normen spielt Acceptable Quality Level (AQL) – das vorgeschriebene Qualitätsniveau – eine zentrale Rolle. Der Zahlenwert trifft eine Aussage darüber, wie hoch die Anzahl fehlerhafter Produkte innerhalb einer festgelegten Stichprobe sein darf. Der AQL von Schutzhandschuhen darf einen maximalen Wert von 1,5 erreichen. Das bedeutet, dass von 200 getesteten Handschuhen höchstens 7 fehlerhaft sein dürfen. Wobei gilt: Je niedriger der AQL desto besser der Schutz gegen Keime und Chemikalien.

Peha soft® nitrile: Neuer AQL von 1,0

Mit dem niedrigeren AQL-Wert übertreffen die Peha soft® nitrile-Schutz- und Untersuchungshandschuhe von HARTMANN die Anforderungen der EN 455. Damit bieten sie mehr Sicherheit für Rettungskräfte und Patienten.

Kategorien von Schutzhandschuhen

Schutzhandschuhe als Teil der PSA sind eine der wichtigsten Schutzmaßnahmen gegenüber Keimen und Chemikalien. Sie dienen in erster Linie dem Schutz der Trägers und werden bei zu erwartender Erreger-Kontamination und bei der Flächendesinfektion getragen.

Die Auswahl eines geeigneten Schutzhandschuhs sollte auf das vorliegende Risikopotenzial abgestimmt sein. Gemäß der Europäischen Norm EN 374 werden Schutzhandschuhe, ihrer Leistungsfähigkeit entsprechend, in drei Kategorien eingeteilt:

  • Kategorie I: Schutz vor geringen Risiken
    Einsatzbereiche: z. B. verdünnte Desinfektions- und Reinigungsmittel sowie verdünnte Chemikalien

  • Kategorie II: Schutz vor Risiken, die weder in Kategorie I noch in Kategorie III fallen
    Einsatzbereiche: z. B. Schutz des Anwenders gegen Bakterien und Keime, Desinfektion von Flächen im Transportraum.

  • Kategorie III: Schutz vor tödlichen, hohen, irreversiblen Risiken
    Einsatzbereiche: z. B. Umgang mit Desinfektionsmittel-Konzentraten, Chemikalien und Zytostatika, Ansetzen von verdünnten Lösungen.


Update: Die latexfreien HARTMANN Untersuchungs- und Schutzhandschuhe Peha-soft® nitrile white und Peha-soft® nitrile fino sind ab sofort auch für die PSA Kategorie III geeignet.

 

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Schutzhandschuhe bei Einsatz von Desinfektionsmittel-Gebrauchslösungen

Desinfektionsmittel-Gebrauchslösungen sind stark verdünnt und enthalten nur in sehr geringer Konzentration hautgefährdende Inhaltsstoffe (0,1 %). Dennoch können bei direktem Kontakt Risiken für die Haut entstehen. Das Tragen geeigneter Schutzhandschuhe ist daher empfehlenswert.

Kriterien für Schutzhandschuhe im Umgang mit Gebrauchslösungen:

  • Erfüllung der Norm EN 374: Schutz gegenüber Chemikalien und Erregern

  • Qualifizierung als Teil der persönlichen Schutzausrüstung, Kategorie I und II

  • Flüssigkeitsdichte

  • Optional: Verlängerter Schaft zum Stulpen, denn damit wird das Einlaufen von Flüssigkeit in den Handschuh verhindert. Produktempfehlung: Peha-soft® nitrile guard

  • Optional: Bei längerem Tragen sollte vor dem Anziehen der Handschuhe eine Hautschutzcreme wie Baktolan® protect verwendet werden, um die Hautbarriere zu schützen.

Weitere Informationen auf www.bode-science-center.de unter CENTER.

Welche Handschuhe sind beim Umgang mit Flächendesinfektionsmittel-Konzentraten geeignet?

In Desinfektionsmittel-Konzentratenen ist die Konzentration der desinfizierenden Bestandteile wesentlich höher, als bei gebrauchsfertigen Lösungen. Bei direktem Kontakt mit der Haut kann die hohe Konzentration dieser desinfizierenden Inhaltsstoffe Reizungen und allergische Reaktionen verursachen. Beim Ansetzen der benötigten Anwendungslösung müssen die Hände also vor dem Kontakt mit dem Konzentrat geschützt werden. Medizinische Handschuhe aus Latex, PVC, Polyethylen sowie einige Sorten aus Nitril sind hierzu nicht geeignet. Sicheren Umgang mit Konzentraten gewährleisten spezielle Chemikalien-Schutzhandschuhe. Die Anforderungen dafür definiert die EN ISO 374:2016.  Diese Norm wurde grundlegend überarbeitet: Beispielsweise wurde die Liste der Test-Chemikalien um weitere potenziell gefährliche Stoffe erweitert. Die neuen Leistungsanforderungen und Terminologien für Chemikalien-Schutzhandschuhe gelten ab 2018, mit einer Übergangsphase bis 2019.

Chemikalien-Schutzhandschuhe haben eine höhere Membranstärke und sind sowohl luft- als auch flüssigkeitsdicht. Gemäß Teil 2 der EN 374 wird hierzu bei der Penetrationsprüfung anhand eines Luft- oder Wassertests der Handschuh auf mikroskopische Löcher geprüft. Das Ergebnis wird anhand des AQL (Acceptable Quality Level) dargestellt. Im Allgemeinen gilt: Je kleiner der AQL, desto höher die Qualität und Sicherheit des Handschuhs. Für Chemikalien-Schutzhandschuhe darf der AQL höchstens 1,5 betragen.

Der  Schutz vor Chemikalien wird in Teil 1 der EN ISO 374:2016 beschrieben. Die Chemikalienfestigkeit (EN ISO 374-1:2016) wird in drei Kategorien unterteilt, die anhand der Durchbruchzeit und Anzahl der getesteten Chemikalien festgelegt werden.

Die meisten Schutzhandschuhe gegen chemische Risiken entsprechen der Typenklasse A: Sie weisen eine Permeationsbeständigkeit von mindestens 30 Minuten bei mindestens 6 Prüfchemikalien auf. Dünnere Einwegschutzhandschuhe entsprechen Typenklassen B (Durchbruchzeit von mindestens 30 Minuten bei 3 Prüfchemikalien) oder C (Durchbruchzeit von mindestens 10 Minuten bei einer Prüfchemikalie).


Welcher Handschuh sich im konkreten Fall am besten eignet, ist von zahlreichen Faktoren abhängig und muss im Rahmen einer Gefährdungsbeurteilung individuell festgelegt werden. Grundsätzlich bietet ein Handschuh der Kategorie C nicht unbedingt einen geringeren Schutz als ein Handschuh der Kategorie A. Denn: Bei der Auswahl eines geeigneten Schutzhandschuhs kommt es auch auf die Permeationsdaten der tatsächlich verwendeten Chemikalien und der Art des Kontaktes mit der Chemikalie an. Hinzu kommen Faktoren wie Tragekomfort und das Preis-Leistungs-Verhältnis.

Nitril-Untersuchungshandschuhe von HARTMANN erfüllen die Anforderungen der Schutzklasse B: Die Aktuelle Testberichte bestätigen die Permeationsbeständigkeit von mindestens 30 Minuten, getestet an mindestens drei Testchemikalien. Gleichzeitig sind die dünnen, latexfreien Einmal-Handschuhe hochelastisch und zeichnen sich durch ein hervorragendes Tastempfinden aus.


Quellen:
BVH Info-Reihe 3: Europäische Standards für Chemikalienschutzhandschuhe, Bundesverband Hautschutz e. V., 2009
Anforderungen an Handschuhe zur Infektionsprophylaxe im Gesundheitswesen – Auswahl von Handschuhen, Arbeitskreis Krankenhaus- & Praxishygiene der AWMF, 2011
Zwei für alle Fälle – Rund um Schutzhandschuhe, Arbeitsschutz im DRK, Deutsches Rotes Kreuz Landesverband Baden-Württemberg e. V., 2013

Produkte: Schutzausrüstung

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